herlambang bayu aji

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AN_IMA(L)GINATION

als sie eins wurden, erblickten sie neue Horizonte 

 

Der Titel der Ausstellung nimmt Bezug auf die chimärischen Tierwesen, die auf Ajis Linolarbeiten zu sehen sind. Der Neologismus spielt mit den englischen Begriffen für‚Tier‘ und ‚Vorstellung‘.

 

Die Idee, dass unterschiedliche Tierelemente miteinander kombiniert werden, hat Tradition. Schon in der alten chinesischen Mythologie ist ein solches Wesen zu finden. Bevor der spätere Gelehrte Konfuzius geboren wird, erscheint seiner Mutter das Qilin. Ein Qilin hat einen Drachenkopf, Schuppen einer Schlange, den Körper eines Hirsches und magische Kräfte. Die Erscheinung des Qilin ist ein gutes Vorzeichen. Seit der Antike ist auch ein tierisches Mischwesen in Bayerischen Wäldern zu Hause, der Wolpertinger, der sich durch den Körper eines Hasen, ein Hirschgeweih und Eulenflügel auszeichnet und äußerst scheu und zurückgezogen lebt. 

 

Die zoomorphen Collagen von Beauvais Lyons zeigen tierische Mischwesen. Die Lithographien aus der akademischen Periode erinnern an zoologische Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert und suggerieren wissenschaftliche Beweise, obwohl es diese Tiere auf den Lithographien so nicht gibt. Tatsächlich enttarnen sie die konstruierte Neutralität, die einer Darstellung allein durch den akademischen Kontext oder das künstlerische Medium zugeschrieben wird. 

 

Die Wesen auf den Linolschnitten Herlambang Bayu Ajis sind ebenfalls aus Körperelementen unterschiedlicher Tiere zusammengesetzt. Die Tierwesen entstammen der Phantasie und alle tierischen Körperelemente stehen symbolisch für Charakterzüge, die der Künstler bei Menschen in seiner Umgebung beobachtet hat. Diese hat Aji miteinander verbunden und in seine Tierbilder übertragen. Es sind menschliche Wesenszüge in Tiergestalt. Einem Haifisch wachsen Flügel, einem Pinguin Krakenarme und die Kuh kann mit ihrem Fischschwanz schwimmen. Die Tierkörper stehen für die spontane Flexibilität, für neugefundene Handlungsoptionen, die aus der Erfahrung heraus entstehen, dass die eigene Sicht der Dinge nicht als Norm anzunehmen ist. Es sind Eigenschaften, Versatzstücke der Identitäten, die Menschen im Laufe des Lebens einnehmen. Durch unerwartete Ereignisse wie durch den Wechsel des eigenen Wohnortes stehen Menschen unbekannten Denkstrukturen und Kausalmustern gegenüber. Die Auseinandersetzung mit Ungewohntem bedeutet hierbei immer einen persönlichen Zugewinn. An_ima(l)gination – als sie eins wurden, erblickten sie neue Horizonte ist ein künstlerischer Kommentar zu den Erlebnissen, die Ajis Umzug aus seiner Heimatstadt Solo in Indonesien nach Berlin in Deutschland erfordern.


Weltkarte Internationales Berlin

2014, Tinte und Acryl auf Leinwand, Holz, 140 cm x 250 cm.

WELTKARTE INTERNATIONALES BERLIN


Ich als Indonesier, brauche eine Aufenthaltserlaubnis, auch Aufenthaltstitel genannt, wenn ich mehr als 3 Monate in Deutschland verbringe. Ob ich soziale Arbeit mache (wie ich es 2008 am Bodensee gemacht habe), studiere, mit meiner deutschen Familie wohne (wie jetzt) oder arbeite – um einen Aufenthaltstitel zu beantragen musste ich zur Ausländerbehörde gehen. Im Oktober 2010 bin ich mit meiner Frau nach Berlin gezogen. 2011 musste ich neuen Aufenthaltstitel in der Ausländerbehörde in Berlin am Friedrich-Krause-Ufer 24 13353 beantragen.

 

Als ich im Warteraum war ist mir sofort die Einteilung der Ausländerbehörde für die Bewerber nach Ländern aufgefallen. In Form eines bunten Plans, dem sogenannten Gebäudeleitsystem, weist es den Besuchern an, wo sie hinmüssen. Je nach Herkunftsland müssen Antragsteller in unterschiedliche Bereiche gehen. Die Einteilung der Ausländerbehörde ist jedoch unsichtbar gestaltet denn die Kriterien, nach denen die Länder einer Gruppe zugeteilt wurden sind nicht ersichtlich.

 

Dieses Projekt fand im Rahmen des Seminars „Unsichtbare Gestaltung“ bei Michael Fehr, im Sommer Semester 2013 am Institut für Kunst im Kontext an der Universität der Künste, Berlin statt.

 

Die Weltkarte zeigt alle Länder, die im Gebäudeleitsystem der Ausländerbehörde vorkommen. Die Intension dahinter ist das sichtbar machen der scheinbar unsystematischen Einteilung der Länder. Es soll ebenfalls der offizielle und nutzungsorientierte Blick der Behörde visualisiert werden. Die Länder sind in den Farben gekennzeichnet, denen sie auch laut des Gebäudeleitsystems zugeordnet wurden. Beispielsweise sind die Länder Armenien, Aserbaidschan, Belarus, China, Georgien, Kasachstan, Russische Föderation, Kirgisistan, Macao, Moldawien, Tadschikistan, Taiwan, Thailand, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan und Vietnam in Haus B in der 2. Etage im Zimmer Nummer 4. All diese Länder sind gelb eingefärbt.

 

Die Größe der Länder auf dieser Weltkarte wird nicht maßstabgetreu wiedergegeben. Diese richtet sich nach der Größe der Gruppe von Migranten aus diesem Land in Berlin. Was mich dabei interessiert, ist die Wichtigkeit der jeweiligen Gruppe für die Behörde. Außerdem möchte ich zeigen, wie viele Migranten aus den jeweiligen Staaten in Berlin leben.

 

Hierfür nutze ich den Zensus vom 31. Dezember 2012 der Stadt Berlin. Die Türkei wird großer als Indien abgebildet, obwohl natürlich Indien großer ist als die Türkei. Einige Länder, die durch diese Größenübertragung zu klein wären, werden symbolisch durch Punkte dargestellt und deren Namen werden aufgeführt. 

 

Ich möchte durch diese Weltkarte zeigen, dass Berlin bunt und schön ist.

 

Die Ausländerbehörde hat seit 2014 ein neues Gebäudeleitsystem mit einer neuen Einteilung.



Gegen Das Vergessen! 


Die jüngste Geschichte von Indonesien und Osttimor ist von etlichen Menschenrechtsverbrechen getrübt. Doch anstatt dass die Täter vor Gericht gebracht, die Verbrechen aufgeklärt werden und die Vergangenheit aufgearbeitet wird, geraten die Menschenrechts-verletzungen langsam ins Vergessen der indonesischen Öffentlichkeit.

Gegen das vergessen! muss die Losung lauten, damit nicht nur die indonesische, sondern auch die internationale Öffentlichkeit diese Menschenrechtsverletzungen im Bewusstsein behält.

Aus der Zusammenarbeit von Herlambang Bayu Aji mit Camilla Kussl und Watch Indonesia! e.V. ist das Spiel mit dem Titel Gegen das Vergessen! entstanden. Spielerisch können wir die Geschichte von Indonesien und Osttimor nachempfinden, über die Menschenrechtsverletzungen und diejenigen, die für Gerechtigkeit kämpfen, lernen und wir können mit dem Erlernten dazu beitragen, dass solche Verbrechen in Zukunft nicht mehr geschehen.

Von der internationalen Gesellschaft fordert der Künstler mehr Aufmerksamkeit für Menschenrechtsverletzungen in Indonesien, damit diese diskutiert werden, um letztlich Druck auf die indonesische Regierung auszuüben, sie aufzuklären.
Im thematischen Mittelpunkt im Spiel Gegen das Vergessen! steht der Menschenrechtsaktivist Munir, der vor genau 10 Jahren, im September 2004, auf dem Weg nach Amsterdam vergiftet wurde.

Auf dem Spielbrett sind Inseln, auf welchen der Spieler von Dorf zu Dorf reist. Die Dörfer haben verschiedene Farben. Weiße sind die freie Dörfer, über die man hinwegziehen kann. Kommt man in ein blaues Dorf, darf man eine blaue Karte nehmen und eine Frage über Indonesien beantworten. In den türkisfarbenen Dörfern haben Menschenrechts-verletzungen stattgefunden. Wenn ein Teilnehmer in einem solchen Dorf ankommt, nimmt er eine der türkisfarbenen Karten, die die Menschenrechts-verbrechen beschreiben.

Spielt mit und lernt gemeinsam über die miteinander verwobene Geschichte von Indonesien und Osttimor und helft bei der Erinnerung gegen das Vergessen!

„Gegen das Vergessen!“ ein Spiel von Herlambang Bayu Aji, Camilla Kussl und Watch Indonesia! e.V.